Offizielle Mitteilung Nr. 1662 des Komitees zur Verteidigung der Rechte der Arbeiter:innen

Jedes Zuhause, jedes Betrieb – und jeder Betrieb, ein Zuhause ist“

 

22. Ordibehesht – Nationaler Tag der Heimarbeit und familienbasierten Produktion im Iran

Der 22. Ordibehesht ist im offiziellen iranischen Kalender als nationaler Tag der Heimarbeit und familienbasierten Produktion eingetragen. Dieser Tag würdigt die bedeutende Rolle von Familien – insbesondere von Frauen – bei Produktion, Einkommenserwerb und wirtschaftlicher Selbstständigkeit durch Heimarbeit.

Heimarbeit und Kleinstunternehmen sollen Arbeitslosigkeit reduzieren und die wirtschaftliche Stabilität von Familien stärken. Kunsthandwerk, handgefertigte Produkte, Lebensmittelproduktion und häusliche Dienstleistungen gehören zu den wichtigsten Bereichen dieser Tätigkeiten.

 

Probleme der Heimarbeit im Krieg

Im Verlauf des aktuellen Krieges zwischen Iran, Israel und den USA wurden tausende Heimarbeitsplätze und Kleinstunternehmen schwer beschädigt.

Nach Angaben der Wohlfahrtsorganisation Behzisti wurden 2.975 Werkstätten und Beschäftigungsprojekte von unterstützungsbedürftigen Familien beschädigt, davon 635 Fälle mit mehr als 50 % Zerstörung.

Der mehr als 60 Tage andauernde Internetausfall führte zusätzlich zum Zusammenbruch von über einer Million internetabhängiger Arbeitsplätze und traf insbesondere von Frauen geführte Heimarbeitsbetriebe schwer. Laut Handelskammer litten 63 % der Kleinunternehmen unter drastischem Liquiditätsverlust.

Die stellvertretende Behörde für Frauen und Familie erklärte zudem, dass aufgrund des informellen Charakters vieler Heimarbeitsplätze keine genauen Statistiken über die tatsächlichen Schäden existieren. Schätzungen zufolge werden jedoch rund 70 % dieser Tätigkeiten von Frauen ausgeübt. Einschränkungen beim Internetzugang und der Rückgang digitaler Märkte verursachten erhebliche wirtschaftliche Schäden.

 

Wirtschaftliche Herausforderungen

Wirtschaftsexperten betonen, dass die Entwicklung von Heimarbeit ohne grundlegende Infrastruktur nicht möglich ist. Dazu gehören:

stabiles und freies Internet
einfacher Zugang zu zinsgünstigen Krediten
Sozial- und Arbeitsversicherung
Ausbildung im digitalen Marketing
Unterstützung für den Online-Verkauf

Obwohl ein großer Teil der Heimarbeit – insbesondere von Frauen – direkt vom digitalen Raum abhängig ist, blieb der staatliche Förderrahmen für Heim- und Kleinstarbeit im Haushaltsplan 1405 unverändert bei etwa 100 Milliarden Rial. Dieser Betrag steht in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Schaden und den realen Bedürfnissen dieses Sektors.

 

Rechtliche und menschenrechtliche Bewertung

Gemäß der Verfassung der Islamischen Republik Iran gehören Beschäftigung und Einkommen zu den Grundrechten der Bürgerinnen und Bürger. Der Staat ist verpflichtet, Arbeitsmöglichkeiten, soziale Sicherheit und Versicherungsschutz bereitzustellen – auch für Heimarbeitende.

Dennoch bleibt ein großer Teil der Heimarbeit im Iran informell. Viele Beschäftigte – insbesondere Frauen in Kunsthandwerk, Teppichweberei und Online-Verkauf – haben keinen Zugang zu:

Krankenversicherung
Rentenansprüchen
arbeitsrechtlichem Schutz
sozialer Absicherung

Diese Situation begünstigt wirtschaftliche Ausbeutung und soziale Unsicherheit.

Darüber hinaus darf die staatliche Kontrolle von Heimarbeit ausschließlich im Rahmen arbeitsrechtlicher Standards erfolgen und nicht in die Privatsphäre oder Lebensweise der Menschen eingreifen. Berichte zeigen jedoch, dass bestimmte Einschränkungen und Maßnahmen über berufliche Kontrollen hinausgehen und als Instrumente sozialer Kontrolle eingesetzt werden.

 

Internationale Menschenrechtsstandards

Unter Bezugnahme auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, insbesondere:

Artikel 23: Recht auf Arbeit und gerechte Arbeitsbedingungen
Artikel 2: Gleichheit der Rechte ohne Diskriminierung
Artikel 25: Recht auf Nahrung, Wohnen, medizinische Versorgung und soziale Sicherheit

sowie unter Bezugnahme auf die Ziele der Agenda 2030 der UNESCO, insbesondere:

Ziel 8: Förderung nachhaltigen Wirtschaftswachstums sowie menschenwürdiger Arbeit für alle

Ziel 5: Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung aller Frauen und Mädchen

verurteilen wir die schwierige wirtschaftliche Lage der Bevölkerung – insbesondere von Arbeiterinnen, Arbeitern und Heimarbeitenden – sowie:

weitreichende Menschenrechtsverletzungen
vollständige Internetsperren
Verhaftungen und Folter
außergerichtliche Hinrichtungen unter dem Vorwand des Krieges
Präsenz ausländischer Kräfte in Städten
wirtschaftliche Zerstörung des Landes

mit Nachdruck.

Wir fordern die Einhaltung internationaler Verpflichtungen, wirksame Unterstützung für Heimarbeitende, Entschädigung der entstandenen Schäden sowie transparente Maßnahmen zum Wiederaufbau von Wirtschaft und Arbeitsmarkt.